Ungleiche Zwillinge
In meiner Jugend hatte ich zwei beste Freunde – sie wohnten direkt nebenan: Claudia und Markus, zweieiige Zwillinge. Damals war mir neu, dass es so etwas überhaupt gibt.
Nach über 30 Jahren der Auseinandersetzung mit dem Thema der Türklinke sind mir diese beiden Freunde wieder in den Sinn gekommen. Denn warum sehen Türklinken – abgesehen von ihrer Spiegelung – fast immer gleich aus? Wie eineiige Zwillinge.
Warum also nicht Türklinken entwerfen, die wie zweieiige Zwillinge sind: verwandt, aber nicht identisch?
Die Verwendung zweier unterschiedlicher Türklinken ist dabei kein formaler Selbstzweck. Zwischen den beiden Klinken entsteht ein Zwischenraum, der es erlaubt, farbliche oder materielle Elemente einzuklicken und so auf unterschiedliche Raumsituationen zu reagieren. Trifft beispielsweise ein Raum, der in einer bestimmten Farbe gestaltet ist, auf einen andersfarbigen Raum, kann die Klinke diesen Übergang sichtbar und spürbar machen.
Räume sind nicht gleich. Ein Flur ist Bewegung, Transit, Schwelle. Ein Wohnzimmer hingegen ist Ankunft und Aufenthalt. Für mich ist es daher konsequent, dass auch die Klinken, die diesen Übergang vermitteln, unterschiedlich sind. Die eine passt hierhin – die andere wäre dort fehl am Platz.
Verwandt, aber nicht gleich.
Türklinken Entwürfe für eine Tür. Verwandt aber nicht gleich.